Die Legende von Osterhasi und Nikolausi
aus der Reihe „Neese klärt auf“

Wohl allen ist der Sketch von Gerhard Polt mit der quengelnden, „Osterhasi“ und „Nikolausi“ piepsenden Puppe bekannt. Kaum einer jedoch weiß, dass sich massive Gesellschaftskritik hinter dieser Mär verbirgt.

Wie die Gebrüder Grimm geht Polt vor. Auch diese wollten mit manchen ihrer Märchen auf gesellschaftliche Missstände oder eher tragische Geschehen aufmerksam machen (man erinnere sich: „Hänsel & Gretel“ war eigentlich der Bericht über ein Wirtschaftsverbrechen eines Nürnberger Lebkuchen-Händlers, der seine Konkurrenz als Hexe verleumdete und letztlich tötete).

Polt benutzt das (Ver-)Wechselspiel zwischen „Osterhasi“ und „Nikolausi“, um angesichts der fortlaufenden Diskriminierung des Osterhasen ein deutliches Ausrufezeichen zu setzen. Zu dem Machtkampf dieser Wesen kam es folgendermaßen:

Als der liebe Gott die Stelle eines Weihnachtsmannes ausschrieb, gab es zwei Bewerbungen, doch nur einer konnte den Job bekommen. Ein gewisser Klaus N. verpasste diesen Traumjob. Er zog sich eine Zeitlang enttäuscht in eine Männer-WG zurück, die er gemeinsam mit seinem Butler Ruprecht und einem gewissen Rudolph, der in früholympischen Zeiten als Marathonläufer den Spitznamen „Renntier“ erhielt, bewohnte. (Wegen einer gelinden Alkoholsucht nannten ihn einige auch "Rednose".)

Von dort intrigierte und wetterte er gegen alles und jeden. Die angeblich wissenschaftliche Untersuchung, wonach der Weihnachtsmann gar nicht existieren könne, weil er nicht überall zugleich sein könne, stammt auch von ihm. Doch war der Weihnachtsmann schon zu mächtig, um an derlei Versuchen Schaden zu nehmen.

Um Frieden zu schaffen, bot der liebe Gott dem Unruhestifter den Posten des Nikolaus an, um schon am 6. Dezember ein wenig Vorfreude auf Weihnachten zu schaffen. Doch sozusagen nur zum Vorspiel des Weihnachtsmannes zu gehören, regte Klaus noch mehr auf. Er beschloss, sich mehr Macht zu verschaffen, wusste aber, dass er gegen die majestätische Gestalt des Weihnachtsmannes keine Chance hatte.

Also wandte er sich gegen den Osterhasen. Alle Verleumdungskampagnen gegen den Eierbringer, die wir in den letzten Jahrhunderten erlebten, kamen vom Nikolaus. Es gelang ihm aber nicht vollständig, den Osterhasen ins Reich der Fabel abzudrängen. Doch insbesondere mit dem Gerücht über die tierverachtenden Schoko-Ei-Legebatterien, aus denen die Eier des Osterhasen stammen sollten, wurde der Osterhase in den letzten hundert Jahren in seinem natur- und tierliebenden Image schwer geschädigt und litt aufgrund eines massiven Umsatzrückganges schwere Not.

Eine Zeitlang fristete er sein Dasein, um die Eier, die die Hannoveraner sich über die Leine hinweg zu warfen, in Wollebälle umzubauen. Aus dieser Zeit ist der Osterhase also insbesondere den Volleyballern freundschaftlich verbunden, was sich noch heute an den vielen Volleyball-Osterturnieren bemerkbar macht.

In den Sechzigern des vergangenen Jahrhunderts zog der Osterhase sich frustriert zunehmend aus dem Geschäft zurück, entdeckte seine musikalischen Qualitäten und gründete unter dem Pseudonym Hazy Osterwald eine sehr erfolgreiche Kombo.

Doch dem lieben Gott und dem Weihnachtsmann blieben die Machenschaften des Nikolaus nicht unbemerkt. Seit einiger Zeit versuchen sie, dem Osterhasen zu neuem Renommee zu verhelfen. Wirtschaftlich halfen sie ihm mit neuen Aufträgen auf die Beine. Und seit dieser Zeit gibt es schon zu Weihnachten Ostereier.

Gerhard Polt gebührt die Ehre, mit seinem Sketch auf diese historischen Zusammenhänge aufmerksam gemacht zu haben.

Peter Neese

 

 © 1999-2001 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel