Saison 1998/1999

Die folgenden Glossen erschienen in der Saison 1998/1999 in allen Hamburger Zweitliga-Spielzeitungen und dienten als Überleitungen zu den News des Hamburger Volleyball-Verbandes.

Saison: 1999/2000 · 1998/1999

Sensations-Meldung auf der Weltsport-Ebene:

Volleyball-Papst Ruben Acosta wechselt zum 'American Football'. Nach der grundlegenden Reform des
Volleyballsports will er nun die Footballer mehr ins Rampenlicht der Weltöffentlichkeit stellen. Hierzu seien aber grundlegende Änderungen erforderlich, um die Möglichkeiten des American Football auszuschöpfen.

Erste Vorschläge hat unser Rumpelstilzchen auch schon. Um das Spielfeld übersichtlicher zu machen, wird es kleiner gemacht und in der Mitte ein Netz gespannt. Die Anzahl der Spieler wird auf sechs reduziert, die sich nur auf einer Seite des Netzes aufhalten dürfen. Um die Verletzungsgefahr zu reduzieren, darf der Ball nicht mehr so schwer sein, er wird runder und damit harmonischer geformt. Nun braucht es nur noch einige Korrekturen in Spielregeln und Zählweise und wir haben eine höchst attraktive und telegene Sportart ...

Peter Neese


Beach-Olympia

Nächstes Jahr ist Olympia in Sydney. Es bestehen berechtigte Chancen, daß Volleyball auch im Jahre 2000 noch existiert und daß einige Volleyballer sogar aus Hamburg in Sydney mit dabei sind. Neben Christina Benecke, die um ihr Ticket gemeinsam mit dem weiblichen Hallenteam kämpft, sind dies vor allem natürlich die Beacher Axel Hager und Jörg Ahmann. Habt ihr's Euch in den letzten Tagen mal vorgestellt? Volleyball spielen bei 40 Grad im Schatten und plötzlich hoppst ein Känguru durch die Sanddüne. Irgendwie schon klasse. Trotz Funktionärsskandal soll's übrigens auch weiterhin alle vier Jahre Olympiaden geben - dafür zu trainieren macht doch Sinn, und dann irgendwann auch mal wieder für die Männer-Nationalmannschaft ...Und hier in Hamburg verspricht Wetterprophet Neese schon für 1999 einen fröhlichen Sommer mit tollen Turnieren, Feten und guter Laune - aber nur, wenn ihr mitmacht.

Horch mal zu Deinen Unterschenkeln: da prickelt's, als würde sich gerade nach dem Matchball im Eichbaumsee der Sand von Deiner schweißbedeckten Haut lösen ... Erinnerst Du Dich an Beach-Volleyball?

Peter Neese


Regeländerungen II

Da war diese Katholikin, die die Anti-Baby-Pille in die Kaffeemühle getan hat. Pulver hatte der Papst schließlich nicht verboten.
Sollen wir angesichts der bevorstehenden Regeländerungen nach ähnlichen Tricks suchen ? Fest steht, daß der Hamburger Verband verpflichtet ist, die Regeln umzusetzen, ebenso, wie z.B. Bundesgesetze von Landesregierungen einzuhalten sind. Es führt also vorerst kein Weg am Rallye-Point-System vorbei.
Protestmaßnahmen müssen sich an den FIVB richten, sowohl auf dem Umweg über den DVV als auch direkt. (Meine geheime Hoffnung: Rumpelstilzchen Acosta hat doch auch reichlich mit dem IOC zu tun, mit dem IOC, das derzeit vom Bestechungsskandal so erschüttert wird. Ich lese gespannt jeden neuen Artikel ...)
Aber andererseits: ein, zwei Jahre Probezeit sollte man jeder Neuerung zugestehen. Wenn wir uns selbst mal kritisch betrachten: wir schreien auch gern so früh wie möglich. Heute spricht kein Mensch mehr über die 'Fußregel', die vor einigen Jahren noch der Tod des Volleyballs sein sollte!
Einigen wir uns auf eine Saison Probezeit für die Regeln. Und nächstes Jahrtausend sprechen wir noch mal drüber. Aber nicht vergessen.

Peter Neese


Top Five

Nachdem uns Volleyballern 1998 schon reichlich beschert wurde, dürfen wir auch für 1999 Wünsche äußern.

Hier meine "Top Five":

  1. Cheerleading sollte auch beim Volleyball gute Sitte werden: natürlich, zwecks sexistischem Ausgleich, schwenken Frauen bei den Männern und Männer bei den Frauen ihre Puscheln!
  2. Die neue Kleiderordnung sollte auch auf Trainer und Schiedsrichter angewandt werden!
  3. Die gesamte Halleneinrichtung sollte als Bande genutzt werden können. Auch FIVB-Funktionäre dürfen als Bande verstanden werden.
  4. Die Trainer sollten bei kritischen Spielsituationen auch direkt vor dem gegnerischen Schmetterschlag eine Auszeit nehmen können. Das erhöht die Spannung und kann Werbezeiten im TV bringen!
  5. Ich plädiere für die Einführung des Zuschauer-Liberos: Vor dem Spiel werden unter den Fans pro Team ein Mitspieler ausgelost! Bei zügiger Umsetzung dieser Punkte garantiert die FIVB volle Hallen bei jedem Spiel!

Peter Neese


Trikot-Ordnung

Die 'Sport-Bild' fragt am 9.12., "ob der Volleyball-Sport mit neuen, ultra-knappen Trikots wirklich populärer wird". In der Tat hat die Kleiderordnung unseres Rumpelstilzchens Ruben Acosta in den Medien für mehr Wirbel gesorgt als das sportliche WM-Geschehen. Und oben genanntes Blatt (ebenfalls ohne nennenswerte Berichterstattung zum sportlichen WM-Geschehen) zitiert dann noch die berüchtigten (weil nicht nachprüfbaren) "ARD-Kreise", laut denen von der WM vielleicht Bilder gesendet würden, "wenn die nackt spielen würden".Ich glaube, selbst dann nicht. Der Punkt ist nicht, daß Volleyball nicht präsentabel ist, ganz im Gegenteil, sondern daß wir nicht ausreichend präsentieren. Und mittlerweile haben sich die TV-Leute auf einen Volleyball-Boykott eingeschnarcht. Allerdings ist es falsch, aus fehlender Medienpräsenz mangelnde Beliebtheit zu folgern. Volleyball ist weltweit der meistgespielte Mannschaftssport. Und in der Kneipe, in der Kfz-Werkstatt, in der U-Bahn: überall treffe ich Leute, die Volleyball toll finden - eigentlich! Vielleicht stolpern wir über die Lösung des Problems, wenn wir mal frisch, fröhlich, frei nach vorne heraus spielen und allen ein munteres 'Hallo' entgegenrufen ...

Peter Neese


Regeländerungen I

Der Prinz hat Dornröschen nicht wachgeküßt, weil sie eine so einschläfernde Ausstrahlung hatte und er auf der Stelle zu schnarchen begann. Ähnliches war hier und da in unserem Sport zu befürchten.
Wir haben ein Rumpelstilzchen namens Acosta, das mit Tie-Break, Fußball und Libero für massive Veränderungen unseres Sports sorgt, die in ihrer Konsequenz noch gar nicht abzusehen sind.
Ein schüchterner, doch interessanter Denkanstoß ist allerdings bei den Regeländerungen zu finden.
Die 'Coaching Zone' ist jetzt die ganze Spielfeldlänge. Mit diesem kleinen Farbtupfer wird die bürokratische Volleyball-Ordnung sanft durchbrochen. Man denke an den NBA-Coach, der an der Seitenlinie hockt und anfeuert. Das schafft schon ein bissel Stimmung.
Und innerhalb des nächsten Jahrtausends werden wir dann vielleicht auch darauf verzichten müssen, erst zur Grundlinie zurück zu gehen, bevor die Seite gewechselt wird ...

Peter Neese


Die Medien

Warum wird Volleyball in den Medien oft so geringschätzig behandelt? Belastende Finanzskandale? Schnee von vorgestern, außerdem leisten sich diverse andere Sportarten ebensolche Klopfer. Zu wenig Zuschauer? Die Katze beißt sich in den Schwanz. Langweilig, zu wenig Zweikämpfe? Interessanter Punkt: gerade die räumliche Trennung der Teams ist einer der absoluten Vorzüge des Volleyballsports. Ich habe die Neese voll von Handball-Kriegen, Fußball-Schlachten und ähnlichem, fast schon legalisiertem Foulspiel. Um es - insbesondere - dem DSF (Deutsches Sport-Fernsehen) in Erinnerung zu rufen: bei Eurer nach-olympischen Umfrage unter Fernsehzuschauern nach der am meisten gewünschten ‘Randsportart’ lag Beach-Volleyball an erster Stelle !Und um es allen noch mal in Erinnerung zu rufen: Volleyball ist in Hamburg nach Fußball die meistbetriebene Mannschaftssportart. Volleyball ist dynamisch, elegant und fair ! Genau wie Tennis bei den Einzelsportarten bietet Volleyball die Spannung, daß erst der letzte Punkt entscheidet. Wen interessiert schon ernsthaft die 2.Halbzeit eines Fußballspiels beim Stande von 5:0? Im Vertrauen gesagt: Volleyball ist einfach geil!

Peter Neese


Präsentation I

Regelmäßig wird im Hamburger Volleyball das Fehlen von Sponsoren, Zuschauern und/oder Medienberichterstattung beklagt. Wenn wir unserem Sport mehr Beachtung verschaffen wollen, dürfen wir ihn nicht als Ringelpiez in großer Familie betreiben, sondern wir müssen ihn gut präsentieren. Stellt euch bitte mal vor, wie Volleyball auf völlig unbeleckte, neugierige Zuschauer wirken muß. Aha, die Mannschaft hat einen Sponsor, das Plakat ist allerdings von der Wand gefallen und liegt da schon das ganze Spiel über. Aha, ein Trikot hat die Mannschaft auch, habe ich bei immerhin zwei Spielern im Spiel entdeckt. Entschuldigung, wer spielt hier gegen wen? Weiß ich nicht, ich bin nur der Schiedsrichter.Beim TV Fischbek werden ja einige Anstrengungen unternommen, unseren Sport besser zu präsentieren. Aber spricht eigentlich etwas dagegen, auch in unteren Ligen die Spiele anzukündigen, ein kleines Plakat zu schreiben, in einheitlichen Trikots zu spielen und sich zu freuen, wenn tatsächlich mal ein Zuschauer auftaucht? Was? Ach so, kein Bock. Na dann ...

Peter Neese


Beach ist vorbei ?

Die Hallen-Saison beginnt - Beach ist vorbei ?Das eine oder andere Sandkorn sollten wir vielleicht in die Halle retten. Denn einer der vielen Gründe für den Erfolg des Beach-Volleyballs liegt darin, daß der Spaß der Sportler an ihrem Sport bei allen Beteiligten viel deutlicher rüber kommt. Auch dadurch sprüht ein Beach-Masters vor Action und Ideen - die Veranstaltung lebt mit den Akteuren.Jeder mag für sich selbst beurteilen, ob dies beim Hallen-Volleyball ebenso ist - beim TVF haben die Spielerinnen vielleicht noch mehr Frohsinn in den Socken als anderswo. Mein Wunsch auf jeden Fall: eine Saison voller lustiger Schandtaten, mit Spielern und Spielen voller Freude!

Peter Neese


 © 1999-2003 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel