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Hamburg - Smash Online-News

 Donnerstag, 16. August 2007

   

Volleyball – eine Frage der Ehre...

Müssen Volleyballer hinnehmen, wie ihr Sport in der Öffentlichkeit und in der Wirtschaft (nicht) behandelt wird? Der Aufstieg der Hamburg Cowboys ist ein guter Anlaß zu handeln!

Sommer: Jedes Jahr das gleiche – die Leute sind in Urlaubsstimmung, Entspannung, Abschalten vom Alltag, Kräfte sammeln für neue Aufgaben. Auch bei mir und meiner Familie ein ähnliches Bild: Für drei Wochen an die Ostsee, abschalten, an nicht viel denken, den Alltag vergessen.

Nach dem Urlaub dann aber auch jedes Jahr das gleiche Ritual. Ich setze mich an den Rechner und schaue im Internet nach, was sich in der Zwischenzeit so ereignet hat. Ein großes Augenmerk (da auch berufliches Interesse) liegt dabei für mich beim Sport. In diesem Jahr fand ich u. a. folgende Schlagzeilen:

- Die Fußball-Bundesliga hat in diesem Jahr so viel Geld wie nie zuvor zur Verfügung, entsprechend haben die Vereine auf dem Transfermarkt zugeschlagen. Selbst die Aufsteiger in die 2. Liga starten mit mehreren Millionen.

- Die Sea Devils (American Football) sind Vergangenheit.

- Der Deutsche Olympische Sportbund entscheidet sich für Winterspiele in München (schade – Olympia in Hamburg wäre ein Traum gewesen)

- Radsport: Ohne die Stargehälter für Jan Ullrich, Andreas Klöden oder Erik Zabel dürfte der Jahres-Etat des Teams T-Mobile inzwischen auf unter 12 Millionen Euro geschrumpft sein.

- Sportstadt Hamburg will aber weiter wachsen.

- Die HSV-Handballer haben bereits 3000 Dauerkarten verkauft.

- Die Hamburg Cowboys (Volleyball) arbeiten mit Hochdruck am Etat und Kader der neuen Saison, suchen aber nach wie vor Sponsoren...

- Stefan Hübner kauft Dauerkarte der Hamburg Cowboys.

Eine Meldung ein paar Tage später:

- Den Hamburg Cowboys laufen die Spieler weg, da der Mini-Etat von 100.000 Euro noch nicht steht. Es droht der Rückzug aus der 1. Bundesliga.

Moment mal... Sportstadt Hamburg, Rekord-Etats im Fußball, Dauerkartenrekord im Handball und dem Männer-Volleyball droht für die 1. Liga die Lichter auszugehen...??!!

Da stimmt doch was nicht!

Volleyball in Hamburg - ich erinnere mich sehr gut an die späten 80er und frühen 90er-Jahre: Spiele vor ausverkaufte Rängen in der Alsterdorfer Sporthalle, später im „Wandsbeker Volleydome“. Namen wie Christian Voß, Hauke Braack, Leif Anderson und natürlich Mr. Hamburg Volleyball Frank Mackerodt, später dann Jörg Ahmann und Axel Hager, auch einen der heute noch aktiven, mittlerweile in der Weltklasse agierenden deutschen Volleyballer, Stefan Hübner, habe ich damals bereits bestaunen dürfen. Und all diese schönen Zeiten und Erinnerungen sollten doch nun durch den tollen Aufstieg der Cowboys wiederbelebt werden...

Volleyball in Hamburg – erste Liga und wir sind dabei: JA!
Volleyball in Hamburg – eine Tradition: JA !
Volleyball in Hamburg – eine aktive Sportart: Ja.
Volleyball in Hamburg – eine Randsportart?? Höchstens eine Medienrandsportart ...
Volleyball in Hamburg – eine Frage der Ehre: ...???

Tja, das frage ich mich mittlerweile. „Sportstadt Hamburg“ ist in den vergangenen Jahren zum Schlagwort geworden – aber von wem eigentlich? Politik und Medien nutzen es, die Wirtschaft unterstützt es und wir Hamburger lieben es. ODER?

Ich kann an dieser Stelle nur für mich sprechen, nur für den Volleyball sprechen. ABER: Volleyball eine Randsportart – für mich als jemanden, der diesen Sport seit mittlerweile 20 Jahren intensiv begleitet und liebt, ist das ein Reizwort. All Ihr Volleyballer da draußen: Ist es Euch egal, wenn Volleyball als Randsportart bezeichnet und behandelt wird? MIR nicht!

Klar, wir können nur bedingt ändern, wie Volleyball von anderen bezeichnet wird, aber wir können doch zeigen, dass es tatsächlich und für UNS keine Randsportart ist! Schließlich ist Volleyball nicht nur in Deutschland beliebt, sondern ist weltweit die Sportart, die von den meisten Menschen betrieben wird. Es ist eine der zentralen olympischen Sportspiele. Und in Hamburg sind die Teams der Bundes- und Regionalligen die Mannschaften, die die Faszination unserer Sportart auch mal an die Öffentlichkeit bringen.

Dass die Hamburger Wirtschaft die bisherige Entwicklung sowie die zukünftigen Bundesliga-Pläne der Cowboys bislang zwar durchgängig mit lobenden und positiven Worten aber eben nur mit wenigen finanziellen Mitteln bedacht hat, liegt leider nicht in meiner Gewalt (ich wünschte ich hätte mehr Freunde und Verwandte in entscheidungstragenden Positionen - falls diese Zeilen von wichtigen Entscheidungsträgern gelesen werden: gerne doch!).

Aber dass wir Volleyballer in und um Hamburg uns bislang nicht stärker für die Sache, für UNSERE Sache, stark gemacht haben, stimmt mich ein wenig traurig: Es gibt beispielsweise die Dauerkartenaktion „1000 Asse für Hamburg“. Man kann zu solchen Aktionen natürlich stehen wie man möchte – Fakt ist jedoch, dass solche Aktionen in anderen Städten und Gemeinden bereits hervorragend funktioniert haben. So hatte der Süd-Verein Rottenburg beispielsweise für sein Abenteuer 1. Bundesliga über 1200 Dauerkarten verkauft (für die 2. Bundesliga sollen es auch schon wieder um die 1000 sein).

Mal abgesehen davon, dass so etwas medienwirksam ist, dass so etwas zeigt, dass Volleyball durchaus mehr ist als eine Randsportart, so bedeutet die Zahl von 1000 Dauerkarten außerdem für den Verein auch einen sicheren Eckpfeiler in der Etat-Planung. Und das in einer Größenordnung, die den Cowboys wirklich hilft, die gleichzeitig aber auch dem Otto-Normal-Verbraucher nicht wirklich weh tut (wenn ich im Vergleich dazu andere Sportarten sehe, oder was teilweise ein Monatsbeitrag in einem Fitnessstudio kostet). Das wäre bzw. ist also ein Beitrag, den jeder einzelne Volleyballer von uns tatsächlich leisten könnte!

Ich habe in den vergangenen Wochen immer wieder gehört, dass Leute sich scheuen, da sie wohl eh nicht alle Spiele werden sehen können. Ehrlich gesagt, weiß ich das auch nicht, weiß das mit Sicherheit auch Stefan Hübner (siehe Pressemeldung oben) nicht. Aber darum geht es doch auch gar nicht!!! Es geht vielmehr darum, ein Zeichen für unsere Sportart zu setzen, zu zeigen, dass Volleyball mehr ist als das, wie es in den Medien gerne dargestellt wird. Ich habe daher gleich zwei Dauerkarten bestellt: eine für mich und eine für... weiß ich momentan ehrlich gesagt auch noch nicht! Aber ich bin mir sicher, es wird sich jemand finden. Und wenn nicht, so weiß ich doch wenigstens, etwas getan zu haben, um den Traum wahr werden zu lassen, die Tradition hoffentlich wieder zu beleben, und Volleyball vielleicht eines Tages auch wieder in den Medien zu dem werden lässt, was wir Volleyballer doch eigentlich alle wissen: eine geile Sportart!

ALSO: Kauft euch jetzt noch die Dauerkarte. Jetzt gilt es! Sonst ist es zu spät.
(im Übrigen wird das Geld für die Dauerkarten im dümmsten Fall – die Mannschaft wird also tatsächlich noch zurückgezogen – natürlich auch wieder zurückgezahlt!)

Für mich ist Volleyball also durchaus eine Frage der Ehre, und Bundesliga-Volleyball in Hamburg ein Traum! Ich hoffe, es sind noch einige andere da draußen meiner Meinung...

Ich hoffe, wir sehen uns ab Oktober in der Wandsbeker Sporthalle!

Nonie Koch
Seit 20 Jahren aktiver und begeisterter Volleyballer

 

Anmerkungen der Smash:
Uff, wahre Worte!! In den letzten Tagen kamen z.B. Äußerungen von Volleyballern wie ...

- die Karte nutze ich ja gar nicht aus (es ist in der Tat in erster Linie eine Spende!)
- die steigen ja doch wieder ab (es gibt natürlich keine Garantie; aber das Geld wird ja gerade gesucht, damit man nicht nur Packungen abholt, sondern mithalten kann!)
- später vielleicht (Es ist keine Schnackerei: Ende August ist Schluss, wenn nicht noch was passiert!)

Und für die von Nonie so schön genannten Entscheidungsträger sei angemerkt:

- Wenn ein Unternehmen jetzt einsteigt, stehen die Chancen auf effektive Medienpräsenz für den „Retter des Hamburger Männer-Volleyballs“ ziemlich gut!
- Volleyball ist nicht nur nach Fußball die meistgespielte Mannschaftssportart in Deutschland und die mit Abstand meistgespielte in der Welt, sondern besticht durch Tempo, Eleganz und vor allem Fairness!
- Die Hamburg Cowboys sind eine sympathische Mannschaft, deren Spieler fast alle aus Hamburg und Norddeutschland kommen.

Hallo, ihr Wirtschaftsunternehmen da draußen! Wer bekennt sich gerade in der heutigen Zeit zu einem fairen Sport??

 

 

 

 

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