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Sonntag, 09. November 2003 

Rüsselsheim: Thilo von Hagen spielt „verrückt“
ASV Dachau ist bayerischer Pokalsieger
Wuppertal vor Einzug ins Achtelfinale des CEV-Pokals
USC: Vor dem Spaß steht harte Arbeit
Am Samstag und Sonntag wird's mit Sicherheit härter
Hamburger Wirtschaft: Förderung des Spitzensports

November 2003

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Deutschland - Rüsselsheimer Echo 

Sonntag. 09. November 2003

Rüsselsheim: Thilo von Hagen spielt „verrückt“

„Wenn wir gewinnen, sind wir in der Winterpause unter den ersten drei“, ist sich Kapitän Jens Blöcher sicher. Den Volleyballern von Zweitliga-Tabellenführer TG Rüsselsheim steht am heutigen Samstag um 19.30 Uhr beim viertplatzierten Sonneberger SC ein richtungweisendes Spiel ins Haus.

Wie Dachau und Friedrichshafen weisen Rüsselsheim und Sonneberg erst zwei Minuspunkte auf. Mit einem Sieg würde die TG vor Dachau und Friedrichshafen die Spitzenposition halten. Bis Weihnachten folgen mit dem Internat Frankfurt, der TG Bad Soden, dem TSV Friedberg und dem TSV Grafing allesamt Gegner aus der unteren Tabellenhälfte. Nicht unwahrscheinlich daher, dass die Rüsselsheimer Männer bei einem Erfolg über Sonneberg bis zum Jahreswechsel gar den ersten Platz verteidigen können.

Trainer Raimund Jeuck stehen heute zwar nur neun Spieler zur Verfügung, da Mittelblocker Sebastian Göbel studien- und verletzungsbedingt ausfällt. Zudem plagen Philip Hamel Knieprobleme. Auch ist es in der Halle in Sonneberg wegen schlechter Beleuchtung nicht leicht zu spielen.

Dennoch ist der TG-Coach zuversichtlich und tippt auf einen 3:1-Erfolg. Dazu muss seine Mannschaft allerdings stark aufschlagen und gewohnt solide annehmen: „Bei einer guten Annahme kann Thilo von Hagen den Block schwindlig spielen.“ Die 1:3-Auswärtsniederlage der vergangenen Saison wettzumachen, hält auch Außenangreifer Sven Bilmeier für möglich. Eine zu erwartende Kulisse mit 600 bis 800 Zuschauern, so glaubt der 26-jährige, sporne seine Mannschaft zusätzlich an: „Ich habe ein gutes Gefühl.“

Dass es die Turngemeinde nach sieben Spielen an die Spitze der Zweiten Liga Süd geschafft hat, empfanden viele Beobachter doch als überraschend. Für Sven Bilmeier aber kommt dies nicht ganz unerwartet: „Wir spielen seit drei Jahren so zusammen“, meint der ehemalige Hessenauswahlspieler, der in Königstädten seine Volleyballlaufbahn begann, „vielleicht ist das der Lohn dafür, dass wir so lange zusammen gearbeitet haben“. Raimund Jeuck kann da nur beipflichten: „Die Jungs haben sich gut zusammen entwickelt.“ An der durchwachsenen Vorbereitung, den mangelhaften Strukturen im Verein, dem unzulänglichen Umfeld, der häufig unbefriedigenden Trainingsbeteiligung und vor allem am fehlenden Geld kann es jedenfalls nicht liegen, so gut dazustehen in dieser Saison. Da ist sich Bilmeier mit Trainer Raimund Jeuck absolut einig.

Viel eher, so meinen beide, sind die Gründe in überdurchschnittlich gut besetzten Schlüsselpositionen zu suchen: In der Annahme und im Zuspiel. „Unsere Annahme mit Andy Baboulidis und Steffen Jungbluth ist bombastisch“, findet Bilmeier. „Thilo von Hagen“, so meint Jeuck, „kann in dieser Klasse keiner das Wasser reichen“. Kapitän Jens Blöcher bezeichnet die Spielweise von von Hagen zwar lächelnd als „verrückt“. Doch genau deswegen ist sie auch genial.

Zudem sind Baboulidis und Jungbluth, mit 20 Jahren die Jüngsten im Team, nicht nur aufgrund ihrer starken Annahme sehr wichtig für die TG. „Steffen macht seinen Part im Block und Angriff sehr gut“, lobt Jeuck, „und Andy ist im Angriff nicht zu stoppen, wenn er einen Lauf hat“. Zusammen mit Blöcher ist Baboulidis der zuverlässigste Punktelieferant im Angriff, findet Bilmeier. Allerdings ist auch Bilmeier selbst sehr gut in Form derzeit. Überdies hat sich Mittelblocker Philip Hamel gesteigert. Und nicht zuletzt, so betont Blöcher, sei mit Oliver Döhn von der zweiten Mannschaft ein wichtiger Mann dazu gekommen. Zwar erhält der 28-Jährige nur sporadische Spielanteile, ist aber immer für Punkte gut und sorgt vor allem für beste Stimmung auf der Bank.

Vermutungen, die TG stehe so weit oben, weil die Konkurrenz schwächer als in der vergangenen Saison sei, muss Trainer Jeuck widersprechen: „Die Spitzenteams haben sich personell nicht verschlechtert.“ Was seine Mannschaft angeht, so hat sie sich personell zwar auch nicht verbessert. Aber, so meint Sven Bilmeier, derzeit hole sie „150 Prozent“ aus sich heraus. Womöglich liegt das auch daran, keinen Druck zu haben. „Wir können befreit aufspielen“, betont Bilmeier, „es war nie unsere Marschroute, aufsteigen zu wollen. Wir haben auch diesmal vor der Saison gesagt, wir spielen um den Klassenerhalt.“ Björn Schwenzer, der zweite Zuspieler, der im Sommer neu dazugekommen ist, weist darauf hin: „Wir blicken nie darauf, was in zwei oder vier Wochen ist, sondern bereiten uns nur auf das nächste Spiel vor.“

Eine Prognose, wo die TG am Saisonende steht, mag keiner im TG-Team geben. „Mal sehen, wie lange wir oben mitspielen“, ist Mannschaftsführer Blöcher gespannt. Trainer Jeuck kann allerdings nicht so recht daran glauben, zum Rundenschluss mit vorne zu stehen: „Da kommt irgendwann der Einbruch.“

 

Deutschland - www.volleyballer.de  

Sonntag. 09. November 2003

ASV Dachau ist bayerischer Pokalsieger

Die Volleyballer des ASV Dachau sind neuer bayerischer Pokalsieger. Im Finale, das am vergangenen Sonntag in Rosenheim ausgetragen wurde, bezwang der ASV der SV Lohhof beinahe mühelos mit 3:0 (25:21, 25:19, 25:19). In der nächsten Runde, die am 16. November in Dachau ausgespielt wird, trifft der ASV auf den GSVE Delitzsch. Gewinnen die Dachauer auch diese Partie, dann kommt der amtierende Pokalsieger VfB Friedrichshafen am 29./30. November an den Stadtwald.

Beinahe wäre das Unternehmen "Einzug ins DVV-Pokal-Achtelfinale" schon im Viertelfinale der "Bayerischen" gescheitert. Das Team vom ASV-Trainer Torsten Schulz nahm den MTV Rosenheim auf die leichte Schulter und lag bereits mit 0:2 im Hintertreffen. Doch eine enorme Leistungssteigerung und das Besinnen auf die eigenen Fähigkeiten bogen die Partie zu Gunsten der Dachauer noch um. Der 3:2 (23:25, 21:25, 25:10, 25:16, 15:12)- Erfolg war für Schulz aber kein Anlass zum jubeln: "Da haben wir großen Mist gespielt und den Gegner total unterschätzt. Nach dem zweiten Satz habe ich das meiner Mannschaft auch ganz deutlich gesagt", meinte Schulz angesäuert. Die Spieler hatten schon das vermeintliche Endspiel gegen den Ligakonkurrenten Lohhof im Kopf und konzentrierten sich wenig auf den eigentlichen Gegner.

Nachdem die Zitterpartie überstanden war, zeigte der ASV im Halbfinale, dass er hoch konzentriert zu Werke ging. Die VSG 2001 CTS/Grub wurde im Eiltempo mit 3:0 abgefertigt- das Resultat (25:17, 25:14, 25:10) spricht für sich.
Im anderen Halbfinale stand die zweite Mannschaft des ASV dem übermächtig erscheinenden SV Lohhof gegenüber. Das in der Landesliga spielende Team von Trainer Andreas Wilhelm bot dem Lokalrivalen allerdings mächtig Widerstand. Trotz der 0:3 (14:25, 21:25, 21:25)- Niederlage bot die Wilhelm-Truppe eine sehr gute Leistung.

Das mit großer Spannung erwartete Finale wurde schnell zu einer einseitigen Partie. Mit höchster Konzentration ging der ASV Dachau I ans Werk und ließ nie einen Zweifel aufkommen, wer der Sieger dieser Begegnung sein würde. "Wir haben superstark gespielt", freute sich ASC-Coach Schulz diebisch über den Coup gegen den Lokalrivalen.

Negativ viel bei den bayerischen Pokalmeisterschaften auf, dass die Teams vom SV Schwaig und von der SG Eltmann 2 einfach nicht erschienen. Dadurch hatte der ASV Dachau 2 und der SV Lohhof ein Freilos und zogen dadurch kampflos ins Halbfinale ein.

Sollte der ASV nun auch gegen Delitzsch gewinnen, dann dürfte am 29. November die Dachauer Georg-Scherer-Halle endlich mal wieder aus allen Nähten platzen, den mit dem VfB Friedrichshafen stellt sich dann der amtierende Pokalsieger am Stadtwald vor.

Bruno Haelke

 

Deutschland - www.volleyball-online.de  

Sonntag. 09. November 2003

Wuppertal vor Einzug ins Achtelfinale des CEV-Pokals

Dormagen (dpa) - Nur noch ein Satzgewinn fehlt den Volleyball-Männern des SV Bayer Wuppertal zum Einzug ins Achtelfinale des CEV- Pokals. Beim Qualifikationsturnier in Dormagen gelang dem Bundesligisten der zweite Gruppensieg mit einem 3:0 (25:23, 26:24, 25:22) gegen den portugiesischen Vertreter Academica Coimbra.
Im ersten Spiel hatte Wuppertal Kometa Kaposvar (Ungarn) mit 3:0 bezwungen. In der abschließenden Partie können die Bergischen gegen Belleman Averbode (Belgien) den Einzug in die nächste Runde perfekt machen.

 

Deutschland - Braunschweiger Zeitung 

Sonntag. 09. November 2003

USC: Vor dem Spaß steht harte Arbeit

USC-Mannschaftsführerin Maja Pachale zum Alltag in der ersten Liga, zur Stimmung im Team und zur Zukunft

Hart ist er der Alltag in der ersten Volleyball-Bundesliga. Das erfahren die Spielerinnen des USC Braunschweig gerade am eigenen Leib. Fünf Partien haben sie im Volleyball-Oberhaus absolviert und fünf Niederlagen kassiert. Nicht ein Satz ging bisher auf das Konto des Neulings. Das hatte niemand anders erwartet. Darauf waren theoretisch alle Beteiligten vorbereitet. Doch wenn aus grauer Theorie Alltag wird, tauchen vielleicht doch Probleme auf. Darüber sprach Sportredakteurin Stefani Franzke mit der Mannschaftsführerin des USC, der 24-jährigen Außenangreiferin Maja Pachale.

Wie ist die Mannschaft denn nun in der ersten Liga gelandet?
Wir sind hart gelandet. Aber das war ja eingeplant, denn unser Auftaktprogramm war schwer. Aber auch wenn man das weiß, ist es hart, damit umzugehen.

Und wie geht das Team mit dieser völlig neuen Situation um?
Wir müssen uns auf uns konzentrieren, jede von uns muss an ihren eigenen Fähigkeiten arbeiten. Dass die erste Liga zeitlich einen riesigen Aufwand bedeutet, haben einige deutlich zu spüren bekommen.

Schlägt das alles zusammen nicht auf die Stimmung?
Das ist unterschiedlich. Nach dem Dresden-Spiel am vergangenen Sonntag schon ein bisschen. Aber zwei Tage später haben wir zusammengesessen und unsere Ziele nochmal besprochen. Jetzt ist die Sache für uns erledigt.

Was hat das Team aus den vergangenen fünf Partien gelernt?
Wir bekommen jetzt langsam das Gefühl für die erste Liga. Und wir haben gelernt, dass die anderen Teams auch nur mit Wasser kochen. Was uns noch fehlt, ist die Routine, Schwächen des Gegners konsequent auszunutzen.

Das war zum Beispiel im Heimspiel gegen Hamburg gut zu sehen. Da hattet ihr einen Satzball…
Das stimmt. Das war ärgerlich. Da haben die erfahrenen Erstliga-Teams eben die nötige Routine. Wir kennen das ja aus der zweiten Liga. Da waren wir diejenigen, die schnell noch einen Gang zulegen konnten, wenn es eng wurde.

Verlieren – das kennen viele Spielerinnen des USC gar nicht. Jahrelang spielte die Mannschaft in der zweiten Liga eine Spitzenrolle…
Das stimmt. Aber ich kenne das noch ganz gut aus Schweriner Zeiten und habe keine Probleme damit. Bei anderen ist das schon ein Schlag. Und sie müssen lernen, damit umzugehen. Das klappt aber.

Wie motiviert ihr euch?
Jede Partie ist eine Herausforderung. Darum spielen wir doch Volleyball. Wir wollen uns mit den Besten messen, die es gibt. Und das tun wir jetzt.

Die Liga ist zweigeteilt. Acht Teams rangeln um die vorderen Plätze, Braunschweig, Erfurt, Augsburg und Berlin sind bisher noch ohne Erfolg. Sind die Partien gegen diese drei die wichtigen Spiele?
Wir wollen die Klasse halten. Das war und ist unser Ziel. Dafür tun wir alles. Aber es gibt keine wichtigen und nicht so wichtigen Spiele. Dagegen sträube ich mich. Wir müssen an jedes Spiel so rangehen als wenn wir gewinnen wollen. Anders verbessern wir uns doch nicht.

Spaß wolltet ihr in der ersten Liga haben. Habt ihr den?
Irgendwann werden wir den haben. Das forcieren wir. Aber erstmal muss jetzt hart gearbeitet werden.

Der USC muss mit bescheidenen finanziellen Mitteln im Volleyball-Oberhaus auskommen. Das macht die Sache nicht gerade leichter…
Manchmal ist es schon ein wenig frustrierend. Mit mehr Geld könnten wir uns nochmal verstärken. Das würde die Sache einfacher machen. Vermutlich belächeln uns einige Teams in der Liga auch. Aber wir wollen die Klasse halten, guten Sport zeigen und so auf uns aufmerksam machen. Das wird uns auch mehr Aufmerksamkeit und Sponsoren bringen.

Wie war der Umzug von der TU- in die Tunica-Halle?
Die Ränge sind jetzt weiter weg vom Spielfeld. Aber unsere Fans haben schnell gelernt, wie das in der ersten Liga mit der Stimmung sein muss. Das hat uns schon begeistert und macht Spaß.

Und wie sieht die sportliche Zukunft von Maja Pachale aus?
Ich bin jetzt 24 Jahre alt. Gehöre nicht mehr unbedingt zu den Jüngeren. Noch bin ich mehr als ein Jahr durch mein Studium in Braunschweig gebunden. Dann kann es durchaus sein, dass ich nochmal bei einem anderen Verein eine Herausforderung in der ersten Liga suche.

 

Deutschland - Neuß-Grevenbroicher Zeitung 

Sonntag. 09. November 2003

Am Samstag und Sonntag wird's mit Sicherheit härter

SV Bayer Wuppertal startete mit einem 3:0-Sieg

Mit einem Auftakt nach Maß startete Gastgeber SV Bayer Wuppertal am Freitag Abend im Dormagener TSV-Bayer-Sportcenter in den Volleyball-Europapokal. Doch der 3:0-Sieg über die Ungarn von Kometa Kaposvar war kein Maßstab - am Samstag (8.11.) gegen AA de Coimbra und am Sonntag (9.11.) gegen PB Averbode wird es mit Sicherheit härter.

Die Volleyball-Europacup-Premiere im Dormagener TSV Bayer-Sportcenter dauerte am Freitag Abend nicht einmal 70 Minuten. Im Schnelldurchgang entledigte sich nämlich Gastgeber SV Bayer Wuppertal seiner Aufgabe gegen den ungarischen Vertreter Kometa Kaposvar: Nach etwas mehr als einer Stunde stand um 18.40 Uhr der deutliche 3:0-Sieg des Deutschen Vizemeisters fest. Der dieses Spiel allerdings nicht als Maßstab für das gesamte, bis Samstag Abend dauernde Turnier nehmen darf: Denn im zweiten Spiel des Eröffnungstages hinterließen sowohl die Portugiesen von AA de Coimbra als auch die Belgier vom PB Averbode einen deutlich stärkeren Eindruck als die recht druck- und motivationslos agierenden Ungarn.

Das sah auch Bayer-Trainer Mark Lebedew so, der ansonsten einen recht geruhsamen Auftaktabend verbringen durfte: "Ich hatte schon mit etwas mehr Gegenwehr gerechnet. Aber das 3:0 nehme ich auch so gerne mit", kommentierte der Australier die recht einseitige Partie, in der die Ungarn nicht einmal in Führung gingen und nicht einmal ansatzweise Spannung erzeugen konnten bei den rund 200 Zuschauern im TSV-Bayer-Sportcenter. "Viel mehr wären wahrscheinlich in Wuppertal auch nicht gekommen", zuckte SV-Bayer-Pressesprecher Oliver Nitschke angesichts der vom Europäischen Volleyball-Verband CEV vorgegebenen Anschlagzeit von 17.30 Uhr die Achseln.

Am Samstag (8.11.) treffen die Wuppertaler zur publikumsfreundlicheren Zeit von 17 Uhr die Ass. Academica de Coimbra aus Portugal, am Sonntag ebenfalls um 17 Uhr zum Abschluss auf die am Freitag von einem lautstarken Anhang unterstützte belgische Vertretung von Pecotex Belleman Averbode. Die anderen Partien ohne Wuppertaler Beteiligung beginnen jeweils um 15 Uhr. Und auch wenn die rechte Spannung am Freitag Abend fehlte, eines machte der erste Tag des Europapokals auch so deutlich: Ein Besuch lohnt sich auf jeden Fall im TSV-Bayer-Sportcenter.

Denn auch ohne groß gefordert zu werden zeigte der Deutsche Vizemeister zumindest phasenweise Klasse-Volleyball. Dafür war vor allem ein Spieler verantwortlich: Lars Dinglinger, 201 Zentimeter langer Diagonalspieler des SV Bayer, war die spielbestimmende und auffälligste Person auf Seiten der Hausherren. Sehr zur Freude von Dormagens Stabhochsprung-As Björn Otto übrigens, der mit gemeinsam dem Wuppertaler Quartett, zu dem neben Dinglinger noch Dirk Grübler, Gabriel Krüger und Gergely Chowansky gehörten, im August bei den Studenten-Weltmeisterschaften in Seoul dabei war und nach Spielschluß feucht-fröhliche Erinnerungen mit ihnen austauschte.

Dinglinger war zwar die auffälligte Figur im Wuppertaler Team, der auch für die meisten Punkte verantwortlich zeichnete. Die entscheidenden Zähler überließ er aber seinen Nebenleuten: Satzball Nummer eins verwandelte Gergely Chowansky nach nicht einmal 20 Minuten zum 25:19 gewonnenen ersten Durchgang, dessen Zwischenstände von 13:6, 20:13 und 24:18 die gesamte Überlegenheit der Wuppertaler eindeutig widerspiegeln.

"Wir haben den Ball gut kontrolliert, und von Anfang bis Ende sehr konzentriert gespielt", analysierte Bayer-Coach Mark Lebedew den Auftritt, der im zweiten Durchgang nur unwesentlich spannender wurde: Bis zum 6:6 hielten die Ungarn mit, dann brachten Kapitän Markus Nitsche und wiederum Lars Dinglinger die Wuppertaler bis auf 11:6 in Front. Eine Schrecksekunde hatte der leidenschaftlich trommelnde SV-Anhang zu überstehen, als danach Gabriel Krüger verletzt vom Feld humpelte. Doch nicht nur, dass der eingewechselte Leszek Kurowski sofort den Punkt zum 12:7 machte, Krüger kam später auch wieder aufs Feld: "Er ist nur umgeknickt, hätte im Bedarfsfall auch weiter spielen können.

Seine Auswechslung war eine reine Vorsichtsmaßnahme", klärte Lebedew auf. Die er angesichts der Überlegenheit auch leisten konnte, denn über 16:8 und 23:11 zogen die Wuppertaler bis zum 25:14 durch Markus Nitsche locker auf und davon. "Wuppertal war das bessere Team, hatte die besseren Angaben. Wir haben nicht den richtigen Drive gefunden", suchte Kaposvar-Coach Marko Jazvic nach Gründen für die vernichtende Schlappe; hinzu kam, dass er auf seinen an der Hand verletzten Libero David Molnard verzichten musste.

Doch auch mit ihm wäre wohl nicht viel mehr zu holen gewesen im dritten Satz, der eine Kopie des ersten bedeutete: Bis 8:9 hielt Kaposvar gegen, dann zog Wuppertal über 13:8 und 22:14 davon. Leszek Kurowski war es vorbehalten, Punkt 18.38 Uhr den ersten Volleyball-Europapokalsieg auf Dormagener Boden sicherzustellen. Den Lebedew aber nicht überbewerten wollte mit Blick auf den Gegner am Samstag: "Coimbra hat eine starke Mannschaft mit harten Aufschlägen. Gegen solche Teams tun wir uns immer schwer."

Die Portugiesen verloren das zweite Spiel allerdings mit 0:3 (24:26, 22:25, 21:25) gegen Averbode - wenn nicht alles täuscht, dürfte es somit am Sonntag um 17 Uhr zum Abschluss zwischen Wuppertal und Averbode zu einem echten "Endspiel" kommen.

 

Hamburg - Die Welt 

Sonntag. 09. November 2003

Hamburger Wirtschaft: Förderung des Spitzensports

Sportlerbörse ist einmalig in Deutschland - Kopfschütteln und Unverständnis über Leipziger Olympia-Politik

Die Hamburger Wirtschaft hat sich weiterhin die Förderung des Spitzensports auf ihre Fahnen geschrieben. Diese erneute Zusicherung gab Handelskammer-Präses Dr. Karl-Joachim Dreyer bei der 3. Hamburger Sportlerbörse. Wie in den beiden vergangenen Jahren waren die vom Olympiastützpunkt Hamburg/Schleswig-Holstein betreuten Kader-Sportler sehr zahlreich in den Räumlichkeiten der Börse erschienen, um sich und ihre Sportart zu präsentieren. Vertreter Hamburger Unternehmen waren indes spärlicher als in den beiden Vorjahren zugegen. "Es sind wohl rund 50 Personen weniger als zuletzt. Aber mit 250 können wir durchaus zufrieden sein", meinte Handelskammer-Geschäftsführer Dr. Gerald Wogatzki.

Dies allein schon deshalb, weil die vor zwei Jahren von Handelskammer und Olympiastützpunkt initiierte Sportlerbörse weiterhin einzigartig in Deutschland ist. Olympiastützpunkt-Leiterin Ingrid Unkelbach berichtete, dass sie auf großes Interesse stößt, wenn sie in anderen Städten über dieses Hamburger Projekt berichtet. "Dort fragen die Athleten und Trainer dann immer: Warum haben wir so etwas noch nicht."

Im Mittelpunkt der sportlichen Darbietungen war der Wettkampf auf zwei Ruder-Ergometer-Achtern. Dass am Ende das Team mit den vier Hamburger Weltmeistern gegen die Auswahl der Wirtschaft mehr als eine Bootslänge Vorsprung hatte, war keine Überraschung. "Zum Ende hin wurden bei uns die Schläge immer kürzer", hatte Dr. Horst Meyer, Achter-Olympiasieger von 1968 und zuletzt Geschäftsführer der Hamburger Olympia-Bewerbungsgesellschaft, bald erkannt. Diese sportliche Niederlage konnte er lächelnd verkraften, das Scheitern der Hamburger Bewerbung für die olympischen Sommerspiele 2012 aber ärgert ihn vor allem angesichts der Skandale beim gewählten Bewerber Leipzig noch immer.

Angesichts der mittlerweile bekannt gewordenen Machenschaften und Verstrickungen könne er sich heute aber auch erklären, warum die Leipziger das Hamburger Angebot, Personal für die internationale Bewerbungsphase zur Verfügung zu stellen, abgelehnt hätten: "Die wollten offenbar nicht, dass Leute von außen Einblick erhalten."

Carsten Harms

 

 © 1999-2003 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel