Kerstin Ahlke
Ein Leuchturm steht am Falkenberg

Petra Kerl: Bei dem Talent, daß sie hat, kann sie weit nach oben kommen. Man darf aber nicht verkennen, daß es noch ein weiter Weg dahin ist, denn sowohl im technischen Bereich als auch von der Kraft her muß sie viel verbessern. Da sie aber unglaublich fleißig ist und hart arbeiten kann, ist nichts unmöglich.

Helmut von Soosten: Kerstin lebt Volleyball, von ihrer Einstellung her ist sie schon professionell. Das ist eine der Grundvoraussetzungen, um ganz nach oben zu kommen. Natürlich geht eine Leistungsentwicklung nicht stetig nach oben, sondern man erreicht immer wieder Plateaus, auf denen man etwas verweilt, bevor es wieder aufwärts geht. Ziel muß es dann sein, die Verweildauer auf den Plateaus möglichst kurz zu halten. Ich glaube daß Kerstin ihre Ziele im Volleyball erreichen wird.

Lesen tut sie nicht gern, Fernsehen nur noch mal flüchtig nebenbei, Musik: zwar viel, aber keine besonderen Vorlieben. Bei Kerstin Ahlke dreht sich momentan alles um Volleyball.

Erst mit 15 Jahren, wenn andere vor zwei, drei Jahre lang Sichtungslehrgänge absolviert haben, kam sie durch eine Freundin zum ersten Mal zum Volleyball. Damals spielte sie aktiv Handball und Tennis, aber das Spiel ohne Schläger und ohne Fouls hatte es ihr sofort angetan.

Petra Kerl war, wie bei so vielen Jugendlichen, ihre erste richtige Bezugsperson zum Volleyball, erkannte sofort ihr Talent und ermöglichte ihr das Spiel in der Verbandsligamannschaft von VGAH. Um Kerstin lange Fahrtwege zu ersparen, regelte Petra mit Kerstins Eltern auch den Schulwechsel vom in der Stadt gelegenen St. Ansgar Gymnasium zum Gymnasium Heidberg, Zu Kerstins Glück, denn kaum war sie am Gymnasium Heidberg, durfte sie mit der Schulmannschaft nach Kanada fahren.

Das war ein Abenteuer ! Wenn Kerstin von dieser Reise erzählt, bekommt sie heute noch leuchtende Augen. Autogramme mußten sie alle schreiben, jeder Wunsch wurde quasi von den Augen abgelesen, und was sie alles erlebt und gesehen haben, tolles Ding !

1996 fuhr sie mit der Schulmannschaft zur Endrunde von ‘Jugend trainiert für Olympia’ nach Berlin. Man rechnete dem Heidberg-Team keine großen Chancen aus, aber Kerstins Team überraschte mit einem 4. Platz. Zu diesem Zeitpunkt war sie schon seit einem Jahr in der Hamburger Auswahlmannschaft und gehörte zu den Spielerinnen der VGAH, die in das neu zu bildende Regionalliga-Team eingebunden werden sollten.

Mitte 1996 kam die Einladung zu einem Sichtungslehrgang der Deutschen Jugendnationalmannschaft. Da Kerstin erst so spät mit Volleyball begonnen hatte, war dies die letzte Chance, noch in einen Jugendkader hinein zu rutschen. Da passierte das Malheur: im Training zog sie sich einen Kapselriß am rechten Daumen zu - Sichtungslehrgang geplatzt. Nachdem die Verletzung ausgeheilt war, hatte sie jedoch Glück. Es wurde ein Platz frei und sie war die erste Nachrückerin. Seit diesem Sichtungslehrgang und einem Gasttraining beim Erstligisten VEW Telnet Schwerte, das ihr von ihrem Trainer Helmut von Soosten ermöglicht wurde, weiß sie, wo sie leistungsmäßig steht: "Es sind einige aufgrund ihrer Spielpraxis in höheren Ligen besser als ich, aber ich fühle mich durchaus in der Lage, da auch irgendwann mal mitzumischen!"

Aufgrund ihres Alters macht sich die 17-jährige jedoch keine Illusionen: "Von 19 Lehrgangsteilnehmerinnen werden vier für den Nationalkader nominiert. Ich gehöre zum älteren Jahrgang, könnte also nicht mehr lange in der Jugendmannschaft spielen. Logisch, daß man da eher andere auswählen wird."

Trotzdem: sie hat ‘Blut geleckt’. Einmal Nationalmannschaft spielen, das ist ihr Traum. Dafür trainiert sie auch zusätzlich zum Schulsport und den drei Trainingseinheiten der Regionalligamannschaft bei den Verbandsliga-Männern von CVJM, bei denen ihr Bruder mitspielt. Wo sie sich verbessern muß? "Krafttraining muß ich machen. Und Petra und Helmut haben schon recht, an meiner Technik muß ich intensiv arbeiten."

Während wir uns unterhalten, schaut sie aufmerksam beim Spiel der VGAH-Männer zu, die gerade das Lokalderby gegen den SCN bestreiten. Für wen sie ist? Sie ist zu höflich, um die blöde Frage zu tadeln, immerhin spielt sie bei VGAH! Ansonsten aber sieht sie sich immer gern Volleyball an, egal, ob Männer- oder Frauenspiele. Beach-Volleyball dagegen ist nicht so ihr Ding. "Spielen geht noch, aber zugucken ist mir zu langweilig."

Ihre Ziele: "Mit der Regionalliga-Mannschaft aufsteigen, wenn nicht dieses Jahr, dann im nächsten. Und irgendwann mal in der Nationalmannschaft spielen. Und wenn das nicht klappt, werd’ ich halt Leuchtturm im Wattenmeer, wie Thomas in der Saisonbroschüre vorschlägt." Bei ihren leuchtend blonden Haaren könnte Kerstin zwar sogar auf ein Rundumlicht verzichten, eine Nationalmannschaftskarriere wäre aber allemal sinniger!

Peter Neese

 

 © 1999-2001 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel