Sven Daniels
Undenkbar, ein SV Lurup ohne Sven Daniels. Seit 1981 ist Sven Zuspieler der 1. Herren.

Anfang der Siebziger Jahre war ein gewisser Günther Blume Lehrer am Gymnasium Rispenweg und baute eine Volleyballgruppe auf, aus der der VV Rispenweg entstand. Sven Daniels war sofort mit Feuereifer dabei. "Aber nicht aufgrund der berühmten Olympia-Sogwirkung, durch die sind sicher unsere Trainer motiviert worden. Wir Jugendlichen fanden einfach Volleyball eine Riesensportart."

Was macht den Reiz des Volleyballsports aus ? "Heute würde ich sagen: daß der Einzelne so wenig sein kann, die Mannschaft aber viel. Früher hat mich mehr die Rasanz der Sportart fasziniert, hoch springen und hart hauen. Und natürlich das ganze Umfeld war angenehmer als bei anderen Sportarten."

‘Sportverrückt’ war er schon immer, hat Leichtathletik gemacht, Turnen, Tennis und quasi alle Mannschaftssportarten: Basketball in der Schule (da war Rispenweg ebenfalls eine richtige Hochburg), Hockey und Handball "so für drei Monate im Verein" angetestet und einige Jahre im SV Lurup Fußball gespielt. Aber Volleyball wurde einfach sein Ding. "Natürlich ist das soziale Umfeld sehr wichtig. Im Fußball z.b. konnte ich mit all den Leuten einfach nichts anfangen."

Im Volleyball konnte er das schon, auch als der Kern der Schulmannschaft 1981 mangels Hallenzeiten zum gerade aus der Landesliga abgestiegenen SV Lurup wechselte und das so formierte Team im Laufe der Jahre ("Man wird nun mal mit der Zeit besser") die Hamburger Volleyballszene das Fürchten lehrte. Die Mannschaft stieg auf und etablierte sich in der Regionalliga. Der größte sportliche Erfolg war der Aufstieg in die 2. Bundesliga 1994. Auch wenn das ‘Abenteuer 2. Liga’ mit dem sofortigen Wiederabstieg endete, die Mannschaft blieb intakt und harmonisch.

Immer locker bleiben und Fun haben: ist das der Reiz des SV Lurup ? "Jein. So werden wir zwar von außen immer charakterisiert, aber ganz stimmt das nicht. Ohne zu gewinnen, bist du nämlich nicht so. Sportlicher Ehrgeiz gehört auf jeden Fall dazu."

Allerdings hat Knut Rettig, der seit sechs Jahren mit dabei und seit vier Jahren Spielertrainer ist, schon für etwas mehr Konsequenz auch im Training gesorgt. Knut, gerade als Trainer mit den Frauen des TV Fischbek in die 1. Liga aufgestiegen, wird beim SVL aus zeitlichen Gründen wohl aufhören. "Sehr schade. Von Knut habe ich mit Abstand von allen Trainern am meisten gelernt." Gibt es noch einen, den man hervorheben könnte, einen ‘Entdecker’ vielleicht ? "Nein, und solche Hervorhebungen sind auch meist nicht sehr fair. Höchstens - in einem besonderen Sinn - könnte ich Lennard Krapp erwähnen: das Team und er hatten ‘ne schwierige Zeit miteinander, aber es war auch toll !"

Wenn sich im Laufe der Jahre auch der Spielerstamm des Teams veränderte, nach und nach die Spieler aus den Anfangsjahren der VV Rispenweg aufhörten und Sven Daniels mittlerweile der letzte der ‘alten Garde’ ist, die Mannschaft wahrte sich ihren Charakter sehr konsequent. So erinnert sich Sven, daß ein gestandener Erstligaspieler, den ihr damaliger tschechischer Trainer Lada Rott zum Training mitbrachte, als der Verein gerade in die Verbandsliga aufgestiegen war, von den Spielern höflich, aber bestimmt abgelehnt wurde. "Das ging gar nicht gegen den Spieler, sondern nur um die sachliche Tatsache, daß man mit manchen kann und mit manchen eben nicht."

Was nervt dich am Volleyball ? "Sportlich gar nichts, es ist eine großartige Sportart, bei der ich viele Freunde gewonnen und interessante Menschen kennengelernt habe. Nerven? Höchstens, daß man dauernd hinter Geld herrennen muß !" Daß Volleyballer kein Geld haben und häufig nicht oder negativ in den Medien dastehen, hat für Sven klare Ursachen. "Der Fisch fängt vom Kopf an zu stinken. Sowohl Spitzenspieler als auch Funktionäre müßten sich ihrer Vorbildfunktion stärker bewußt sein. Anstatt ständiger kleinlicher Regel- und Spielbetriebsänderungen sollte man konsequent die Präsentation der Sportart überarbeiten. Spitzensport als Aushängeschild des gesamten Sports ist heutzutage nun einmal Show und muß auch als Show präsentiert werden. Und immerhin ist Volleyball auch eine amerikanische Sportart, warum da nicht einiges aufhängen."

Schon als Jugendlicher war Sven Jugendtrainer, natürlich beim SV Lurup und - beim Altonaer TSV. Wie das ? "Ich war mit einigen Leuten da ganz gut befreundet", grinst Sven. "Als die dringend einen Trainer brauchten, hab ich’s gemacht. Es gab richtig Kohle damals, satte 120 Märker für viermal Training im Monat. Für einen armen Jugendlichen ein tolles Ding."

Acht Jahre lang war Sven, Inhaber der B-Trainer-Lizenz, dann Trainer der 1. Damen des SV Lurup, die auch in der Regionalliga spielen und für die Doppelspieltage des SV Lurup sorgten: die Frauen spielen nachmittags, die Männer kommen früher, feuern an und spielen anschließend, wobei sie von den Frauen unterstützt werden. Die daran folgenden gemeinsamen Kneipenzüge sind bekannt und gefürchtet in ganz Volleyball-Hamburg.

Eine Verstärkung für die 1. Damen wurde Maike Maier, die er aus Schnelsen loseisen konnte. Ein Jahr später waren die beiden ein Paar. Mittlerweile haben sie eine 10 Monate alte Tochter namens Lou-Janna, die Sven in seinem Steckbrief - natürlich - auch als erstes Hobby angibt. Trotz stärker werdender beruflicher Belastung , Sven ist als Wirtschaftsmathematiker derzeit viel auf Reisen, hat er diese Saison fast durchgehend zweimal die Woche trainiert und alle Spiele mitgemacht. "Familie, Beruf und Sport in Koordination zu bringen, war mein eigentliches persönliches Ziel in dieser Saison.Allerdings hätte ich anfangs nicht geglaubt, es so gut hinzukriegen." Wenn Sven diese Lebensbereiche nicht mehr in Einklang bringen kann, soll Schluß sein. "Wenn man die ganze Zeit auf einem gewissen Leistungsniveau gespielt hat, kann man sich nicht vorstellen, plötzlich zwei, drei Stufen niedriger zu spielen. Der Anspruch ist immer noch da." Beim volleyballverrückten Sven Daniels kann man aber auf noch die eine oder andere Saison hoffen.

Peter Neese

 

 © 1999-2001 Smash Hamburg - Deutschlands Online Volleyball-Zeitung von Peter Neese und Dennis Wenzel