Regeländerungen

Neueste Informationen zum Regelwerk

Die FIVB hat auf ihrem Weltkongress in Sevilla im August 2000 einen neuen Regeltext verabschiedet. Dieser weist viele redaktionelle, aber nur wenige inhaltliche Änderungen (gegenüber dem derzeitigen Stand) auf. Für den Spielverkehr sind folgende Punkte zu beachten:

  1. Die bisher "zur Probe" eingeführte neue Regel bezüglich der Netzberührung des Balles beim Aufschlag wurde endgültlig bestätigt.

  2. Über die Interpretation der Regel 8.2 (Ausnahmsweise Auswechslung) hatte es in letzter Zeit einige Irritationen darüber gegeben, inwieweit solche Auswechslungen im Rahmen der 6 zur Verfügung stehenden Auswechslungen zu zählen sind. Im neuen Regeltext wird nun explizit festgehalten, dass eine ausnahmsweise Auswechslung in keinem Fall (also auch nicht, wenn noch nicht alle regulären Auswechslungen erschöpft sind) zum dem "Kontingent" der 6 möglichen Auswechslungen zu zählen ist.

  3. Festgelegt ist nun auch, was zu geschehen hat, wenn eine Austauschaktion mit dem Libero noch nach dem Pfiff des Schiedsrichters zum Aufschlag (und bevor der Ball geschlagen wird) stattfindet: Das Spiel wird nicht unterbrochen, nach dem Spielzug wird die betreffende Mannschaft verbal verwarnt. Im Wiederholungsfall wird eine Sanktion für Verzögerung ausgesprochen.

  4. Die Befugnisse des 2. Schiedsrichters sind wie folgt eingeschränkt: Er entscheidet nicht mehr

    - über Fehler beim Angriffsschlag von Hinterspielern (gemäß Regel 14.3.3) oder des Liberos (8.5.2.2 b) oder nach einem Zuspiel des Liberos in der Vorderzone (8.5.2.2 d); (die Entscheidung über Fehler beim Block von Hinterspielern oder Libero bleibt in der Zuständigkeit des 2. Schiedsrichters);

    - über Bälle, die die senkrechte Ebene des Netzes außerhalb des Überquerungssektors in Richtung des gegnerischen Feldes überfliegen oder die Antenne berühren (Regeln 9.4.3, 9.4.4). Das Anzeigen derartiger Fehler gehört zum Aufgabenbereich der Linienrichter (soweit vorhanden).

    (Die Bestimmung der Regel 24.2.2 bleibt davon unberührt!)
Gemäß einem bereits erfolgten Beschluss des DVV gilt die Regel unter Punkt 1) ab sofort für den gesamten DVV-Spielverkehr. Die Bestimmungen gemäß den Punkten 2) - 4) sind ebenfalls ab sofort anzuwenden. 

Alle genannten Neuregelungen gelten auch für die kommenden Europapokal-Spiele.

Eine Neuauflage des deutschen Regelbuches ist etwa Anfang 2001 zu erwarten.

Fred Kröger, Alexander Mühle (Bundesschiedsrichterausschuss)


Der Volleyball-Weltverband FIVB veröffentlichte in einer Presseerklärung vorab einige Regeländerungen, die auf dem Weltkongress im Oktober in Tokio beschlossen werden sollten und nun auch beschlossen sind. Die einzelnen unten aufgeführten Regeländerungen traten in den Bundesligen ab 20.11.1998 (bis auf Zählweise), auf europäischer Ebene ab 01.01.1999, auf FIVB Ebene ab sofort in Kraft.


1. Merkmale des Balles
  3.1 Der Ball darf nunmehr auch aus einer Kunstlederhülle bestehen (das Material muß vorher von der FIVB genehmigt sein) und eine Kombination aus mehreren Farben aufweisen, die von der FIVB festgelegt worden sind.

Bisher: Es waren nur einfarbige und helle Bälle zugelassen, die aus einer Lederhülle bestehen.

 
2. Rechte des Trainers während des Spiels
  5.2.3 d Wenn der Trainer den auf dem Feld befindlichen Spielern Anweisungen erteilt, darf er nunmehr auch innerhalb der Freizone vor der Mannschaftsbank bis hin zur Aufwärmfläche stehen oder sich dort bewegen. Dabei darf er das Spiel nicht beeinträchtigen oder verzögern.

Bisher: Der Trainer mußte beim Erteilen von Anweisungen entweder auf der Mannschaftsbank sitzen oder sich auf der Aufwärmfläche aufhalten.

 
3. Neue Regel für den Libero-Spieler (neu)
  8.5 Der Libero-Spieler

  8.5.1 Jede Mannschaft hat die Möglichkeit, auf ihrer endgültigen, 12 Spieler umfassenden Spielerliste einen spezialisierten Defensivspieler anzugeben, den „Libero“.

  8.5.2 Der Libero muß vor dem Spiel auf dem Spielberichtsbogen eingetragen, neben seinem Namen muß ein „L“ vermerkt werden. Seine Spielernummer muß auch auf dem Aufstellungsblatt des ersten Satzes eingetragen werden (Regel 7.3.1).

  8.5.3 Für den Libero gelten folgende besondere Regeln:

    a) Der Libero darf nur als Hinterspieler agieren. Es ist ihm nicht erlaubt, einen Angriffsschlag, von wo auch immer (sowohl aus dem Spielfeld als auch aus der Freizone), auszuführen, wenn sich der Ball im Augenblick der Berührung vollständig oberhalb der Netzoberkante befindet.

    b) Der Libero darf weder aufschlagen, blocken noch einen Blockversuch durchführen.

    c) Nach einem oberen Zuspiel des Liberos aus der Vorderzone (oder ihrer Verlängerung) darf der Angriff nicht oberhalb der Netzoberkante ausgeführt werden. Erfolgt die gleiche Aktion des Liberos aus der Hinterzone, bestehen beim Angriff keine Einschränkungen.

    d) Der Libero muß ein Trikot tragen, das sich in Farbe oder Design von dem der anderen Mannschaftsmitglieder unterscheidet (Regel 4.3.5).

    e) Auswechslungen mit Beteiligung des Liberos zählen nicht als reguläre Auswechslungen und sind in ihrer Anzahl unbeschränkt. Es muß aber mindestens ein Spielzug zwischen zwei Auswechslungen liegen.

    f) Ein Libero darf das Spielfeld nur über die Seitenlinie vor seiner Mannschaftsbank zwischen Angriffslinie und Grundlinie und nur dann betreten oder verlassen, wenn der Ball aus dem Spiel ist und der Pfiff zur Ausführung des Aufschlags noch nicht erfolgt ist (auch vor dem Beginn eines Satzes).

  8.5.4 Ersatz eines verletzten Liberos

    a) Mit Genehmigung des ersten Schiedsrichters darf ein verletzter Libero während des Spiels durch einen beliebigen auf dem Spielberichtsbogen eingetragenen Spieler ersetzt werden. Der verletzte Libero darf nicht wieder in das Spiel zurückkehren.

    b) Der Spieler, der den verletzten Libero ersetzt, agiert als Libero für den Rest des Spiels.
 
4. Aufschlagversuch
  13.5 Die Regel bezüglich des Aufschlagversuchs wird ersatzlos gestrichen. Es gibt also zukünftig keinen Aufschlagversuch.
 
5. Sanktionen für Verzögerungen
  17.2 Die Verwarnung wegen Verzögerung gilt nunmehr für das ganze Spiel. Die zweite und die folgenden Verzögerungen jeglicher Art durch irgendein Mitglied der gleichen Mannschaft im gesamten Spiel werden mit einer Bestrafung wegen Verzögerung geahndet mit der Folge eines Punktgewinns für den Gegner.

Bisher: Die Sanktionen für Verzögerungen zählten nur bis zum Endes des laufenden Satzes.

 
6. Unkorrektes Verhalten und Sanktionen
  21 Es werden nur noch drei Kategorien unkorrekten Verhaltens unterschieden: ungebührliches Verhalten (Verstoß gegen den Anstand oder die Moral, verächtliche Äußerungen), beleidigendes Verhalten, Tätlichkeit.

Bisher: Vier Kategorien: unsportliches Verhalten (Diskutieren, Einschüchtern usw.), grob unsportliches Verhalten (Verstoß gegen den Anstand oder die Moral, verächtliche Äußerungen), beleidigendes Verhalten, Tätlichkeit.

Es gibt eine neue Skala der Sanktionen. Der uns vorliegende Regeltext weicht erheblich von der vor dem FIVB-Kongreß bekannten Vorlage ab, erscheint verwirrend und wird wohl noch diskutiert werden. Es muß derzeit wie folgt interpretiert werden:

Bei einem erstmaligen ungebührlichen Verhalten innerhalb einer Mannschaft durch irgendein Mannschaftsmitglied erfolgt keine Bestrafung, das Mannschaftsmitglied erhält verbal oder durch Handzeichen eine Verwarnung. Diese wird - ebenso wie die folgenden Sanktionen - im Spielberichtsbogen eingetragen.

Bisher: Ein erstmaliges ungebührliches Verhalten (im Sinne eines grob unsportlichen Verhaltens) wurde mit einer roten Karte für das betreffende Mannschaftmitglied (mit Spielzugverlust) geahndet.

Für ein zweites ungebührliches Verhalten in einer Mannschaft durch ein anderes Mannschaftsmitglied wird diesem die gelbe Karte gezeigt und die Mannschaft mit einem Punktgewinn für den Gegner bestraft.

Bisher: Ebenfalls rote Karte (mit Spielzugverlust) für das andere Mannschaftsmitglied.

Ein zweites ungebührliches Verhalten in einer Mannschaft durch das gleiche Mannschaftsmitglied wird mit einer Hinausstellung (Zeigen der roten Karte) geahndet. Außerdem erfolgt eine Hinausstellung nunmehr auch als Erstbestrafung bei beleidigendem Verhalten. Das hinausgestellte Mannschaftsmitglied bleibt auf der Mannschaftsbank sitzen.

Bisher: Eine Hinausstellung erfolgte ausschließlich als stufenweise Sanktion bei Wiederholung (grob) unsportlichen Verhaltens und hatte das Verlassen des Wettkampfbereichs für den Rest des Satzes zur Folge.

Bei einem dritten ungebührlichen Verhalten in einer Mannschaft (eines beliebigen Mannschaftsmitglieds), bei wiederholtem beleidigendem Verhalten oder bei einer Tätlichkeit erfolgt eine Disqualifikation (mit Verlassen des Wettkampfbereichs), angezeigt durch gelbe und rote Karte.

Bisher: Eine Disqualifikation erfolgte bei (erstmaligem) beleidigendem Verhalten oder bei einer Tätlichkeit.

 
7. Handzeichen der Schiedsrichter
  22.2 Die Reihenfolge der Handzeichen der Schiedsrichter ist nunmehr:
 
    Der 1. Schiedsrichter zeigt an (nachdem er gepfiffen hat):
    a) die Mannschaft, die den Spielzug gewonnen hat;
    b) die Art des Fehlers;
    c) den Spieler, der den Fehler begangen hat (falls erforderlich).
 
    Der 2. Schiedsrichter zeigt an (nachdem er gepfiffen hat):
    a) die Art des Fehlers;
    b) den Spieler, der den Fehler begangen hat;
    c) die Mannschaft, die den Spielzug gewonnen hat.
 
    Im Falle eines Doppelfehlers:
    a) die Art des Fehlers;
    b) die Spieler, die den Fehler begangen haben (falls erforderlich);
    c) die Mannschaft, die als nächste aufschlagen wird.
 
    Bisher: Die Handzeichen des 2. Schiedsrichters erfolgten in derselben Reihenfolge wie beim 1. Schiedsrichter. Für den Fall des Doppelfehlers gab es keine Festlegung der Reihenfolge.

Fred Kröger, Bundesschiedsrichterwart

 

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