Interview mit Hans-Ulrich Kahl
Trainer des CVJM Hamburg

Am Ende steht die Mannschaft um den Trainer Ulli Kahl auf Platz 8 mit 18:22 Punkten. Der CVJM ist dennoch zufrieden und schaut erwartungsfroh in die neue Saison. Im folgenden Interview zieht Ulli Kahl Bilanz.

Anzeiger: Entspricht der Tabellenstand der 2. Bundesligamannschaft Deinen Erwartungen vor der Saison ?

Ulli Kahl: Vor der Saison war es der Wunsch, uns sicher in der 2.Liga zu halten. Während der Saison, als wir zeitweise auf dem vierten, sogar auf dem zweiten Platz standen, haben wir dann unsere Ziele höher gesteckt: wir wollten unter den ersten fünf abschneiden. Das hat dann leider nicht geklappt. Der Platz im unteren Drittel ist im Prinzip und auf die ganze Saison gesehen in Ordnung, aber das Potential der Mannschaft ist größer und wurde nicht voll genutzt.

Anzeiger: Seid ihr, die Trainer und die Mannschaft, mit dem Wechsel von Glinde zum CVJM-Hamburg zufrieden?

Ulli Kahl: 100%ig ! Ich arbeite jetzt seit neun Jahren für den CVJM und finde die Atmosphäre hier ganz prima. Die Volleyballabteilung ist noch viel lebendiger geworden, als früher. Die Mannschaft ist super zufrieden, weil sie im Verein ganz toll aufgenommen worden ist. Wir waren auch sehr offen und sind positiv auf den Verein zugegangen. Aber daß so viele Menschen aus dem Verein zu unseren Spielen gekommen sind, hat uns wirklich überrascht. Insgesamt hat sich der Kontakt zwischen der 1. Damen und dem Verein sehr gut entwickelt. Unsere Mädels haben z.B. neben all ihren beruflichen und sportlichen Belastungen die Saisonabschlußparty fast alleine organisiert, um dem Verein, von dem wir so viel bekommen haben, etwas zurück zu geben. Das war Klasse !

Anzeiger: Welche Rolle spielt die 1. Damen im Gesamtkonzept der Volleyballabteilung ?

Ulli Kahl: Die Mannschaft sollte Öffentlichkeit schaffen und den Bekanntheitsgrad des CVJM-Hamburg erhöhen. Wir haben viel Presse gehabt und sind, für Hamburger Verhältnisse, sehr gut beachtet worden. Für die Volleyballabteilung ist die Mannschaft ein positives Aushängeschild, was in der Hamburger Volleyballszene sehr deutlich bemerkt worden ist. Der Zuschauerschnitt liegt weit über den Erwartungen und wir haben viel Zuspruch, aus dem Verein, aber Volleyballverrückten bekommen, die einen neuen Verein entdeckt haben, der interessant ist. Für die jüngeren Spielerinnen in den Jugendmannschaften ist die Bundesligamannschaft natürlich ein Vorbild, an dem sie sich orientieren, wo sie auch mal hin möchten.

Anzeiger: Welche sportlichen Entwicklungen in der Volleyballabteilung waren darüber hinaus noch besonders bemerkenswert ?

Ulli Kahl: Die gesamte Entwicklung der Abteilung ist hervorragend. Alle Damenmannschaften sind aufgestiegen, was ein super Erfolg ist. In der Kreisliga hat mit der Mannschaft von Kerstin Mitzlaff eine komplettes Jugendteam den Aufstieg geschafft. Die Hamburger Jugendmeisterschaften sind auch sehr gut gelaufen. Das Team in der A-Jugend ist dritter und das in der B-Jugend zweiter geworden. Das ist wirklich beachtlich. Die Durchlässigkeit und die Kooperation zwischen den Mannschaften und den TrainerInnen hat sich wesentlich verbessert. Wir halten jetzt besser zusammen, helfen gegenseitig aus und bilden mannschaftsübergreifende Teams für bestimmte Anlässe. Es herrscht ein Verständnis, das man das Wohl des Ganzen fördern will und nicht mehr nur schaut, was die eigene Mannschaft macht.
Das Konzept, das wir in der Abteilung aufgestellt haben und das langfristig angelegt ist, hat sich bisher als richtig und als zukunftsweisend herausgestellt. Wir können auf diesem Weg weiter gehen.

Anzeiger: Gibt es denn eigentlich irgendwelche weniger guten Sachen zu berichten oder ist alles nur superpositiv?

Ulli Kahl: Es klingt schon fast überheblich, aber da muß man schon mal einen Augenblick nachdenken... Wirklich unschön waren eigentlich "nur" die vielen Verletzten, die sich z.T. langfristig durch Ihre Verletzungen verabschiedet haben. Ganz besonders dicke hat es dabei Martina erwischt, von der wir im Moment nur hoffen können, dass sie noch einmal für uns an den Ball geht.

Anzeiger: Der CVJM-Hamburg engagiert sich ja mit seiner Kinder- und Sozialarbeit stark im Stadtteil St.Georg. Der Volleyball ist hingegen eine Sache für ganz Hamburg. Siehst Du mittelfristig Verbindungsmöglichkeiten zwischen dem Stadtteil und dem Volleyball?

Ulli Kahl: In der Vergangenheit gab es schon gute Ansätze: Ballsportgruppen in der Heinrich-Wolgast-Schule z.B. Wenn das Beachfeld im Lohmühlenpark fertig ist, werden sich sicher noch engere Beziehungen ergeben können. Dafür werden wir dann zusammen mit der Sportjugend und dem Volleyballverband ein gutes Konzept erarbeiten.

Anzeiger: Wo engagiert sich der Volleyball denn noch sozial?

Ulli Kahl: Wir haben z.Zt. soziale Sportaktivitäten in Zusammenarbeit mit Schulen in Hamm, Horn und Barmbek laufen. Für die Sommerzeit kommt ein neues Projekt hinzu: wir werden ein regelmäßiges Beachangebot für Jugendliche aus den Stadtteilen Osdorf und Billstedt anbieten, um im Sinne des Vereins ein soziales Engagement zu zeigen und für die Kids was zu tun. Das wird von der SAGA und der Sportjugend sehr gut unterstützt. 

CVJM Anzeiger - Das Interview führte Frank Düchting

 

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